In mehreren Beiträgen im M wie Marketing-Blog habe ich dargestellt, wie Google kontinuierlich am Design und an der Funktionalität der Suchmaske und den Suchergebnisseiten herumschraubt. Seit Google am Freitag in seinem Blog bekannt gab, dass der Suchmaschinenbetreiber ab sofort auch die Suchergebnisse von nicht angemeldeten Nutzern personalisiert, ist ein weiterer Schritt in nutzerorientierte, subjektive SERP gegangen worden.
Datenschützer melden Bedenken an
Datenschützer haben bereits ihre Bedenken gegen die Änderung angemeldet. “Der springende Punkt ist, dass Google jetzt auch Suchergebnisse jener User verfolgt, die sich bisher in keinen Google-Account eingeloggt haben”, sagte Marc Rotenberg, Direktor der Datenschutzorganisation Electronic Privacy Information Center (EPIC). Kritisiert werde von den Datenschützern auch, dass es sich um ein Opt-out- und nicht um ein Opt-in-Service handle. Auch Thomas Stadler von Internet-Law meint, dass man ‘kein Prophet sein (muss), um sagen zu können, dass das speziell in Deutschland zu datenschutzrechtlichen Diskussionen führen wird.’
SEO-Branche reagiert unterschiedlich
Die Reaktionen innerhalb der SEO-Branche könnten unterschiedlicher nicht sein. Während SEO-United ‘alle personalisierte Ergebnisse ohne Zweifel wohl auch als Worst-Case-Szenario in Sachen Suchmaschinenoptimierung’ bezeichnet, sehen andere das gelassenener. So meint Sistrix dass ‘für den Einzelnen die SERPs in Zukunft etwas anders aussehen können, die Auswirkungen auf die „Standard-SERPs“ (aber) sehr gering sein werden’. Der SEO-Blog meint: ‘Das ist der Tag, an dem die “normalen Suchergebnisse” gestorben sind. Wir schlagen ein neues SEO-Kapitel auf. [...] Kein Grund zur Panik, aber die Suchmaschinenoptimierung muss sich den neuen Spielregeln anpassen.’
SEO wird sicher nicht leichter
Um die Auswirkungen beurteilen zu können, muss man die Spielregeln kennen. Wie wird diese Personalisierung realisiert? Google greift dafür auf die Search-History der letzten 180 Tage zurück. Aufgezeichnet wird diese laut Google über einen “anonymen Cookie im Browser”, der sämtliche Suchanfragen und die danach vom User ausgewählten Ergebnisse beobachtet.
Allerdings darf man diese Maßnahme Googles nicht isoliert und zur Optimierung des Anwendernutzens sehen. Das wäre naiv. Diese Personalisierung für alle ist Teil einer langen Entwicklung weg von objektiven organischen SERP hin zu subjektivierten, eher portalähnlichen SERP. Damit kann Google die Nutzer auch möglichst lange auf der Ergebnisseite halten, um alle Facetten des komplexen Geschäftsmodells, mit dem Google viel Geld verdient, anbieten zu können.
Fasst man alle Möglichkeiten der Nutzer für die Anpassung der Ergebnisseiten zusammen, muss man schlussfolgern, dass die Zeiten der klassischen wirklich zu Ende gehen. SEO kann heute nur noch funktionieren, wenn die klassische mit regionaler SEO über das Google Branchencenter und auch bezahltem Keyword-Advertising kombiniert wird.