Liegt die Zukunft der SEO in Lokaler Suche und Social Media Optimization?
Zusammenfassung
Alle relevanten Suchmaschinen haben sich die Optimierung des Anwendernutzens auf die Fahne geschrieben. Sie geben den Anwendern viele Werkzeuge an die Hand, um Suchergebnisse individuell anzupassen. Das hat zur Folge, dass organische Suchergebnisse, so wie man sie früher kannte, nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. SEO verlagert sich zunehmend in den Bereich Social Media und lokales Suchmaschinenmarketing.
Entwicklung der Marktanteile
Der einzige Zweck einer Suchmaschinen ist es, den Nutzern dabei zu helfen, das zu finden, was sie im Netz suchen. Liefert eine Suchmaschine zu den eingegebenen Suchbegriffen keine qualitativ hochwertigen und relevanten Ergebnisse, ist sie schnell ‘out’ und verliert Marktanteile.
Nur wer seine Suche und die Ergebnisseiten ständig optimiert, wird sich auf Dauer halten können. Die Entwicklung der Marktanteile auf dem globalen Suchmaschninenmarkt zeigt das: Neben Google (Marktanteil mehr als 85 %), yahoo (6.29%) , Bing (3.27%) und der auf den chinesischen Markt ausgrichteten Suchmaschine Baidu (2.81%) sind alle anderen Suchmaschinen praktisch bedeutungslos (Quelle: marketshare.hitslink.com).
Noch deutlicher fallen Googles Marktanteile aus, wenn man den deutschen Markt betrachtet, wo Baidu naturgemäß keine Rolle spielt, T-Online aber traditionell einen kleinen Marktanteil hält. Hier liegt Google bei etwa 90%, vor yahoo, Bing und T-Online, die zwischen 2 und 3 % liegen.
Was macht Google so erfolgreich?
Entscheidend scheint mir zu sein, dass es Google sehr gut schafft, sich schnell an Marktanforderungen anzupassen. Das in Verbindung mit der oft kritisierten Sammlung von Nutzerdaten und die Daten über das Nutzungsverhalten. Kaum jemand anderes weiß so gut wie Google, was die Leute im Netz machen und wollen. Wie das funktioniert hat Google in den letzten Jahren eindruckvoll bewiesen. Die Liste der Features unter dem Stichwort ‘Universal Search’ ist lang.
- Begriffe, die auf einen nahen Verwandtschaftsgrad zum eigentlichen Suchbegriff hindeuten, werden in die Suchergebnisse einbezogen.
- Die lokale Suche wird durch Einblendung einer ‘Local-One-Box’ stärker betont.
- Integration von Google-News.
- Integration von Videos.
- Blog-Ergebnisse werden innerhalb der regulären SERP angezeigt.
- Google bietet Text-Snippets auf den Ergebnisseiten mehr Platz.
- Vom Anwender öfter besuchte Seiten rutschen in der Ergebnisliste nach vorn.
- Einführung der Optionen-Sidebar. Hier kann der Anwender die Ergebnisse nach verschiedenen Kriterien sortieren.
- Aufnahme der Bildersuche als One-Box innerhalb der SERP.
- Twitter-Statusmeldungen werden in die SERP aufgenommen.
Die Änderungen führen allerdings dazu, dass die Suchergebnisseiten in letzter Zeit zunehmend inkonsistenter wurden. Es lässte sich nicht mehr vorhersehen, wie und in welcher Form die Ergebnisse nach der Eingabe eines Suchbegriffes präsentiert werden. Eingeblendete ‘One-Boxes’ ohne feste und wiederkehrende Positionierung, eingestreute Bilder und Videos führen zu einer unübersichtlichen Darstellung. Rund 100 interne und externe Links werden heute auf der Ergebnisseite angeboten. Vorbei die Zeiten, in denen auf der ersten Seite 10 Links zu den 10 Top-Suchergebnissen angeboten wurden.
Aber auch darauf hat Google eine Antwort: Google testet nun die Einführung einer ‘Permanet Sidebar’. Das ist nichts anderes als ein ein dauerhaftes 3-Spaltenlayout. Diese muss im Gegensatz zu den Search Options nicht extra aktiviert werden und soll dem Anwender dabei helfen, die Ergebnisse noch feiner anzupassen.

An solche SERP wird man sich gewöhnen müssen
Diese immer angezeigte Sidebar bietet dem Anwender eine große Anzahl von Möglichkeiten, die Suchergebnisse zu verfeinern. Das enspricht dem Anspruch Googles, die Suchergebnisse für den Anwender zu optimieren und den Anwendernutzen deutlich zu steigern.
Die Kehrseite der Medaille trifft den SEO-Markt
Ob die immer noch geltenden Ranking-Algorithmen das Ranking in den SERP noch entscheidend beeinflussen wird, bleibt abzuwarten. Bietet man dem Benutzer eine größere Auswahl an Werkzeugen, um seine Ergebnisse fortschreitend anzupassen, spielen die organischen Ergebnisse eine immer untergeordnetere Rolle, da Treffer systematisch unterdrückt werden können. Das stellt die SEO vor völlig neue Herausfoderungen.
Für lokal operierende Unternehmen bietet sich mit einer Suchmaschinenoptimierung für ‘Local Search’ eine gute Möglichkeit, die Suchergebnisse weiterhin aktiv und kontrolliert zu beeinflussen. Das in Zukunft besonders deshalb, weil Google offensichtlich Präsenz von Branchenverzeichnissen schmälern will. Sistrix verzeichnet im aktuellen Indexwatch Verlierer: » Eine weitere Auffälligkeit ist sicherlich die große Anzahl an Branchenverzeichnissen, Telefonbüchern und verwandten Projekten.« Der Verfasser kann sich gut vorstellen, dass »es auch für die verbleibenden Seiten in diesem Sektor dieses Jahr schwieriger wird – Google will nicht nur Suchmaschine sein, sondern möglichst alle Zwischenstationen zwischen Suchvorgang und Ziel ausschalten. Und dazu gehören nunmal auch Telefon- & Branchenverzeichnisse.«
Social Media Optimierung als Weg für die Zukunft
Alle Suchmaschinen haben mehr und mehr Elemente von Social Media in ihre Interfaces eingegliedert. Beispiele hierfür sind Googles und Bings Verträge mit Twitter und Facebook, Yahoos neues Twitter-Fenster und Googles Social Search Labor.
Die Suchmaschinen reagieren damit auf die Tatsache, dass viele Internetnutzer einen großen Teil ihrer Zeit auf Social-Media-Seiten verbringen, um Informationen zu suchen, mit anderen Usern zu kommunizieren und zu diskutieren. Es ist also klar, dass die Suchmaschinen daran teilhaben wollen und die Inhalte in den Sozialen Medien (Blogs, Twitter Facebook, Xing u. a.) indizieren. Will man dies nutzen, ist es evident, dass man in diese Medien entsprechende Informationen einspeisen muss und an der Kommunikation innerhalb dieser Medien teilnimmt. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Zielgruppe direkten Zugriff auf die Informationen hat. Der Großteil davon wird diese Information durch eine Suche finden, ganz gleich ob sie Teil einer bestimmten Community sind oder nicht. Es geht um Sichtbarkeit. Wenn Sie irgendwo im Netz über ein relevantes Thema diskutieren, könnte das in den Sucheregebnissen erscheinen und das nicht nur in der Echtzeitsuche, sondern auch später. Das Web vergisst nichts.
Landing-Page gewinnt an Bedeutung
Eine aktuelle Studie des BVDW zeigt, dass eine optimierte ‘Landing-Page’ unbedingt notwendig ist. ‘Landing-Pages’ sind die Seiten, auf die der Anwender nach Anklicken eines Suchergebnisses gelangt. » War in den letzten Jahren ausschließlich das Suchmaschinen-Marketing bestimmendes Element zur Steigerung des Abverkaufs im Internet, so haben viele Online-Händler erkannt, dass sich die Conversion Rate nur zusammen mit einer optimierten Landing-Page steigern lässt. Natürlich spielen auch der Preis und der Zahlungsablauf eine entscheidende Rolle«, sagt Achim Himmelreich (Mücke Sturm | Company GmbH), Vorsitzender der Fachgruppe E-Commerce im BVDW. Welche Fehler man dabei unbedingt vermeiden soll, zeigt Torsten Hubert in der Serie Die 7 größen Konversionskiller auf Landing-Pages.






11/01/2010 at 13:52 Permalink
Ich hatte auch schon etwas nachgegrübelt zum Thema “Lokale Suche”. Inzwischen taucht eine extra Box auf, bei der Google Suche nach “Mietwagen”: Sie suchen lokale Ergebnisse für “mietwagen”? Stadt oder Postleitzahl. Irgendwann tippt jeder in dieses Feld mal etwas ein, bspw. Pizza, Hotel, …, wodurch er den Ort abspeichert. Doch die wichtigeren Keyword-Kombinationen, die auch noch konvertieren und Umsatz bringen, stecken ohnehin im Longtail, bspw. “Mietwagen Mallorca”. Die lokale Suche stellt bislang also kein Problem für SEO’s dar.
Gruss
Wolfgang
11/01/2010 at 14:19 Permalink
Ich bekomme immer prophylaktische Schmerzen, wenn ich solche Quasi-Aufforderungen an die SEOs lese, in Zukunft Social Media Optimization zu betreiben. Ja, das wird kommen bzw. kommt schon jetzt. Aber ob das gut ist, wage ich doch sehr zu bezweifeln.
Es gibt viele SEOs, die sehr gut sind in dem, was sie tun. Und da ich in meinem Job einige recht große Budgets verwalte, kann ich ganz klar sagen, für diese SEOs wird es auch in den nächsten 1-2 Jahren garantiert noch eine Menge zu tun geben.
Aber nur weil jemand ein Experte in Sachen Suchmaschinen ist, heißt das noch lange nicht, dass er sich auch mit Social Media auskennt. Social Media Marketing ist gerade dabei, in Deutschland ganz vorsichtig Fuß zu fassen. Die erste Angst der Unternehmen wird mit ersten ernsthaften Experimenten überwunden, der “neue” Kanal als ernsthaftes Marketing-Instrument erkannt.
Wenn nun aber jede Menge selbsternannte “Fachleute” Aufträge aus einem Themengebiet ergattern wollen, dass sie bestenfalls grob verstehen, könnte dies dem Social Media-Markt einen Schaden zufügen, der eine ganze (Teil-)Branche für die nächsten Jahre runterreißt.
Ich habe nichts dagegen, wenn sich SEOs weiterbilden und auch zu Social Media-Experten werden. Aber dann sind sie eben SEOs, die auch Social Media-Experten sind. Suchmaschinen-Experten jetzt lauthals auch als Social Media-Experten anzupreisen, halte ich aber für fatal – für alle Beteiligten.
11/01/2010 at 14:20 Permalink
@gummibaerle Na ja. Gibt man z. B. Fahrrad Hannover ein, erscheint oben die Box mit den lokalen Ergebnissen. Um dabei zu sein, muss man bei ‘google marketplace’ schon einiges unternehmen.
11/01/2010 at 14:26 Permalink
@Online-Marketer Natürlich. Das sind zwei Bereiche, für jeden dieser Bereiche gibt es Spezialisten. D. h. doch nur Kooperation, Netzwerken.
11/01/2010 at 17:06 Permalink
@Herbert Peck: So natürlich ist das leider nicht. Ich habe schon einige Artikel gelesen, in denen SEOs empfohlen wurde, “jetzt auch Social Media zu machen”, und ich habe auch schon Äußerungen von SEOs gehört, die meinten, ein paar Blog-, Twitter- oder Facebook-Posts wären ausreichend, um diesen “neuen Geschäftsbereich” mit “ins Portfolio” aufzunehmen.
Kurz: Es gibt sie, die SEOler, die jetzt “eben auch Social Media machen”.
Und Artikel wie dieser, in denen eben nicht deutlich herausgestellt wird, dass SMM & SMO weit mehr sind als nur ein paar Texte zu schreiben, unterstützen eben diese Leute in ihrer Denkweise. Das schadet dann der ganzen Branche – und zwar den SEOlern ebenso wie den Social Media Marketern.
Ich selbst bin übrigens eher auf “Kundenseite”, da wir als Lead-Agentur die Budgets unserer Kunden verwalten. Und wäre ich der (leider immer noch alles andere als seltene) “typische unbedarfte Kunde”, hätte ich schon einige böse Überraschungen erlebt und jede Menge Geld verschwendet. Und würde die nächsten Jahre wahrscheinlich keiner Social Media oder SEO-Agentur mehr über den Weg trauen.
11/01/2010 at 17:47 Permalink
Ich stimme Online-Marketer zu.
Und ich sehe es nicht so, dass SMO in Zukunft das Hauptwerkzeug im SEO sein wird. Sicher sind SMM und SMO wichtig, aber auch wenn die SERPs nun um Realtime erweitert wurden, sind OnPage, OnSite und OffSite immer noch das wichtigste.
Du gehst hier nur auf die Realtime-Search ein und diese aktulaisiert sich je nach Keyword teilweise sekündlich. Hier geht es auch um Aktualität.
SMM heißt nicht nur, dass man in der Universal Search erscheint, dazu gehört viel, viel mehr. Das wäre genauso als wenn man sagt, Linkbuilding bedeutet Einträge in Foren, Blogs, Webkatalogen & Co. Die Userprofile von Facebook z. B. sind non-public. Wenn ein Unternehmen hier mit seinen Fans in den Dialog tritt, hat das nichts mit SEO zu tun. Dass die Seite dann in den SERPs ist, das ist SEO, aber nicht die Kommunikation mit den Usern.
Wenn ein User Informationen sucht, wird er sicher auf ein organisches Suchergebnis klicken und nicht auf einen Tweet (hängt natürlich vom Suchbegriff und Suchziel ab).
Wenn ein User etwas kaufen will, schaut er sich auch die Anzeige an.
Wenn ein User lokal was sucht, schaut er sich das Ergebnis aus Maps an und wenn er ein Video oder Bild sucht eben das.
Bitte brecht die großartige SEO nicht immer auf SMO runter, SMM ist im Kommen und sollte auf jeden Fall mit SEO kombiniert werden, bin auch total dafür. Aber SMO wird nicht die Hauptaufgabe eines SEOs sein.
Viele Grüße aus München!
11/01/2010 at 23:25 Permalink
@Online-Marketer @Kathrin Danke für Eure kritischen Kommentare.
@Online-Marketer
Zunächst einmal: Es mag ja Artikel geben, die in denen SEOs empfohlen wurde, “jetzt auch Social Media zu machen”. Es mag auch viele? SEO geben, die das versuchen. Wie sieht das den auf dem SEO-Sektor aus? Eine kurze Google-Suche nach ‘SEO Agentur’ ergibt allein im deutschsprachigen Raum 952.000 Treffer. Die gleiche Suche nach ‘SMO Agentur’ hingegen “nur” 219.000 Treffer. Auf welchem Markt sich mehr selbsternannte Experten tummeln, mag jeder für sich selbst entscheiden. Und wie Kunden in beiden Bereichen die ‘guten’ von den ’schlechten’ trennen – dazu gibt es im Web genügend Beiträge.
@Kathrin
Du schreibst ‘Wenn ein User Informationen sucht, wird er sicher auf ein organisches Suchergebnis klicken und nicht auf einen Tweet’. Richtig. Aber bei der Realtime-Search geht es nicht nur um Twitter, man kann ‘Social Media’ nicht auf Twitter reduzieren. Dieser Artikel war z. B. 7 Minuten nach der Veröffentlichung bei Google in den organischen Treffern gelistet. Und ich schrieb zum Schluss: Das Web vergisst nichts.
Wie User die SERP der Universal Search sieht, hat usability.de in einer Studie untersucht. Anzeigen spielen da eine untergeordnete Rolle, obwohl ich selbst in einem anderen Artikel darauf hingewiesen hatte, das aufgrund der individuellen SERPs Anzeigen wichtiger werden.
Außerdem umfasst SMO gerade den Bereich ‘Einträge in Foren, Blogs, Webkatalogen & Co.’. Organisches Linkbuilding funktioniert nirgends besser als im Web 2.0. Wie das abläuft, hat Kerstin Hoffmann in Workflow eines Blockbeitrages beschrieben.
Keiner bestreitet heute ernsthaft, dass die Suchmaschinen einen gut eingeführten Blog besser ranken als eine gut eingeführte statische Seite. Das liegt am aktuellen Content. Suchmaschinen lieben das. Und: Allein durch Eure fachlich qualifizierten Kommentare wird für diese Seite neuer, thematisch qualifizierter Content erzeugt, der natürlich auch sofort gelistet wird. Und es kommen neue Links zu thematisch passenden Seiten hinzu.
21/01/2010 at 13:58 Permalink
Interessanter Beitrag, hat mich zum Nachdenken gebracht…
11/04/2010 at 15:28 Permalink
Der Artikel hat mich inspiriert, es schadet nicht sich darüber mal seine Gedanken zu machen! Danke dafür!