In den letzten Tagen gab es auf Twitter eine heftige Diskussion darüber, was ‘Social Media’ darf und was nicht. Mirco Lange griff die Diskussion auf, und postulierte flugs ‘Es braucht keinen “Dialog” für erfolgreiche Social Media‘.
Man muss selbst keinen Dialog führen. Es reicht, über die richtigen Themen zu sprechen. Das erreicht man, indem man zuhört und die Themen entwickelt, welche die Dialoggruppen interessieren, idealerweise bewegen. Diese Themen kann man dann “über Social Media” kommunizieren – und das meint vor allem Social Media als Kanal [sic!].
Er stellte mit seiner als ‘entdogmatisierung’ verkauften These schlicht den Grundgedanken der sozialen Medien – Austausch, Partizipation und Dialog – grundsätzlich in Frage und reklamierte für Unternehmen eine Sonderform, die Monologische. Erinnert das an etwas? Richtig, das war/ist das alte Web. Alter Wein in neuen Schläuchen.
Die Reaktionen auf diesen Artikel waren teilweise heftig und kontrovers (s. Kommentare, u. a. von Martin Oetting). Mirco Lange schob einen sehr wortgewaltigen Beitrag Social-Media-Romantiker und -Egozentriker in der Krise – ein Selbstbekenntnis nach.
Ich finde die Entwicklung klasse. Denn jetzt fangen die die wir Protagonisten an, also die, die sich mit dem Thema ausführlich beschäftigen, die Sinnfrage zu stellen. Sie Wir überprüfen ihre unsere Thesen – und Dogmen. Das betrifft vor allem die Social Media Romantiker und die Social Media Egozentriker. Sie Wir werden grade enttäuscht. Von der Realität eingeholt.
Ich kann nicht beurteilen, ob das Wortspiel mit der ich-sie-Form ein Stilmittel ist oder einer wirklichen Erkenntnis entspringt. Im zweiten Teil des Absatzes wird es jedenfalls nicht mehr verwendet.
Und dann gibt es die, die ihre eigenen Interessen bedroht sehen. Ihren Status. Ihre Macht. Ihre kleine Welt, die sie besonders gemacht hat, und in die nun der Mainstream oder – huhuuu – sogar der Kommerz einbricht.
Zunächst einmal sind die wir nicht die Protagonisten (‘Haupt-oder Erst-Handelnde’) des Social Web. Erst-Handelnde schon gar nicht. Social Media waren schon da, bevor es die uns ‘Social Media Berater’ gab. Die Anfänge liegen im Usenet der 80/90′ger Jahre des letzten Jahrhunderts. Nur nicht im Kleid des Web Zwei Punkt Null. Und Haupt-Handelnde? Das mag jeder für sich selbst entscheiden.
Ihren Status, ihre Macht oder ihre kleine Welt, was denn nun von beidem? Ihren Status oder ihre Macht beziehen die Teilnehmer am Social Web, den Social Media durch die Demokratisierung des Internet. Das wird keiner ernsthaft bestreiten. Das Unternehmen sich am Dialog im Web beteiligen ist eine Reaktion auf diese Demokratisierung und der Meinungsbildung im Netz über sie und ihre Produkte, unabhängig von ihren stylistischen Coporate Websites und ihrer PR.
Richtig ist, dass die wir von der Realität eingeholt werden. Das mag Grund für eine ‘Sinnkrise’ sein. In einem älteren Blogeintrag auf ’… über den Tellerrand‘ schrieb ich:
Ich frage mich, ob wir noch genügend ‘geerdet’ sind. [...] Ist das gegenseitige Zitieren und das Hantieren mit immer neuen Rekordzahlen (“mehr als eine Milliarde Tweets pro Monat”) nicht ein Symptom der eigenen Unsicherheit darüber, ob alles so eintreten wird, wie wir uns das vorstellen?. Etwas wie ‘das Pfeifen im Walde’?
Wenn wir davon überzeugt ist, dass es richtig war und ist, was wir bisher taten, sollten wir diesen Weg fortsetzen. Auch wenn es langsamer geht, als viele das postulierten.
[...] weiterführende Links: Blog ishp: Die ‘Protagonisten’ der Social Media in der Sinnkrise? Heidi Cohen: Marketing Personalisieren Cone Research: Cone Trend Tracker Heidi Cohen: If Social [...]